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Hüttenbau

Mit einem frisch eingestempelten Visum, gültig für ein Jahr, fliegen wir in den hohen Norden Kanadas, nach Whitehorse. Für C$ 450 wird ein alter motorisierter Lastesel gekauft. Auf Indianerland fernab jeglicher Zivilisation wollen wir unsere Blochhütte bauen. Mit mehr als 300 Kilo an Ausrüstung und Proviant geht Richtung Nord West Teritorries.

Es ist Anfang Juli und heiß. Am See angekommen beladen wir unser Kanu, bis es mit seinen Bordwänden nur knapp über der Wasserlinie liegt und erreichen nach einem Tag angestrengtem Paddelns das Ziel.
" Unser See " ist knappe 18 Kilometer lang und hat unzählige kleinere Buchten. In der Nähe der größten Bucht befindet sich unser Plätzchen . Als der Boden unseres Kanus knirschend auf dem Kiesstrand aufsetzt, fühlen wir ein unbeschreibliches Glücksgefühl in uns aufsteigen.., der Traum vom eigenen Blockhaus ist nunmehr zum Greifen nahe.

Wir gehen an die Arbeit

Den Platz für die Hütte wählen wir einige Höhenmeter über dem See, in erster Linie wegen der Schneeschmelze, aber auch wegen der schönen Aussicht. Bald fällt der erste Baum. Beide haben wir keine Ahnung vom Hüttenbau, doch durch unsere Fehler lernen wir von Tag zu Tag. Die Blockhütte soll ohne das laute Gekreische einer Motorsäge und ohne einen einzigen Nagel entstehen. Wir sägen und rackern täglich bis zu 16 Stunden, je nach Lust und Laune. Wir essen nur, wenn wir hungrig sind.

Nach Einbruch der Dunkelheit verkriechen wir uns todmüde aber glücklich und zufrieden in unsere Schlafsäcke. Der rasche Wechsel von Regen und Sonne, das frische Banook am Morgen, die leckeren Beeren aus dem Wald und allein das Betrachten der nach Fliegen springenden Seeforellen erfüllt uns mit einer tiefen innerlichen Zufriedenheit. Unsere Hütte wächst jeden Tag. Stamm für Stamm wird geschält, Kerbe nach Kerbe geschlagen und die Rundhölzer aufgebaut. Für das Dach benötigen wir fast 200 der kleineren Rundhölzer. Das nötige Moos zum Abdichten der Fugen und Ritzen, insgesamt fast 1000 Kilo, holen wir aus dem Wald. Mit einer Lehmpaste verspachteln wir zum Schluss noch die Zwischenräume der Hölzer.

Cyriak sägt und hackt das notwendige Brennholz für den kommenden Winter. Beeren werden zu Marmelade gekocht, Pilze getrocknet, Fische geräuchert und in vier Meter bärensicher eingelagert. Mitten im farbenprächtigen Indian-Summer überraschen uns die ersten Schneeflocken. Kurz darauf der erste strengere Frost. Elche und Karibus versammeln sich zur Brunft und überqueren vor unserer Hütte den See. Die letzten Wildgänse fliehen vor dem nahen Winter.


Ein Märchen wird wahr

Mitte November ist es dann soweit. Ganze vier Tage sind wir mit den Hunden zu unserer Blockhütte unterwegs. Der Yukon Winter ist in vollen Zügen zu spüren, Polarlichter erhellen die eisige Nacht. Die ersten langen Etappen für Mensch und Tier. Der See ist noch nicht optimal gefroren. Vorsichtig schlagen wir einen Trail zur Hütte. Spätabends erreichen wir hundemüde, aber glücklich unser selbstgebautes Zuhause. Bald erwärmt das Feuer des Yukon - Stoves unsere kalten Glieder. Zufriedenheit ein heimeliges Gefühl in unserer Blockhütte, Gemeinschaft, die Hunde....ein Märchen wird wahr.